| Der
Heimatring Lorup
Am Samstag, dem 8. März des Jahres 1975 möchte ich folgende
Gedanken, die die Grundlage einer Satzung für den Heimat-Ring Lorup
sein sollen. Anlaß ist dazu die beabsichtigte Eintragung als öffentliche
Gemeinschaft in das Register des Amtsgericht in Meppen, zum anderen aber
der 20. Jahrestag der Wiederbelebung des Heimatgedankens in Lorup, die
am 8. März 1955 im Gästezimmer des Hotel J. Olliges als Heimat-Ring
Lorup verwirklicht wurde.
Hier zum WEITERLESEN klicken, handschriftliches, original Dokument vom
Hans Meyer-Wellmann (ca. 77kB)
Josef Eilermann
Vor fünfzig Jahren wurde der Heimatring Lorup
gegründet
Zehn Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs, als die größten
Probleme der Nachkriegszeit weitestgehend der Vergangenheit angehörten,
gingen einige Loruper Bürger daran, das dörfliche Leben durch
die Neugründung eines Heimatverein zu bereichern. Man wollte damit
an die Tradition des alten Heimatvereins anknüpfen, der um 1930 gegründet
worden war, sich dann aber in den Wirren des Krieges aufgelöst hatte.
So trafen sich im März 1955 interessierte Loruper in der Gaststätte
Olliges-Finnere.
Bäckermeister Bernhard Siemer fungierte als Versammlungsleiter. Er
begrüßte neben den Einheimischen besonders Herrn Engeln, den
Geschäftsführer des Kreisheimatvereins Aschendorf-Hümmling,
der die Grüße des Kreisheimatvereinsvorsitzenden August Löning
aus Lathen überbrachte.
In seinen weiteren Ausführungen ging Engeln auf die vornehmlichen
Aufgaben der örtlichen Heimatvereine ein. Dabei hob er besonders
die Erhaltung der kulturellen Werte des Dorfes wie alte Sitten und Gebräuche,
sowie die Verschönerung des Ortsbildes hervor.
In einem anschließenden Vortrag berichtete Theodor Rohjans (Kassen
sien Dirk), der vor dem zweiten Weltkrieg Vorsitzender des Heimatvereins
gewesen war, über die Aktivitäten des damaligen Vereins. Von
seiner Wahl zum Vorsitzenden des neuen Heimatvereins bat er jedoch abzusehen,
da er dieser Aufgabe auf Grund seines hohen Alters nicht mehr gewachsen
sei.
Die Versammlung wählte daraufhin den damaligen Markvorsteher Hans
Meyer-Wellmann einstimmig zum Vorsitzenden.
Auf Vorschlag des neuen Vereinsvorsitzenden, gab man dem neu gegründeten
Verein den Namen Heimatring. Die Bezeichnung Heimatring wurde ganz bewusst
gewählt. In diesem „Ring“ sollten sich möglichst
viele Loruper heimisch fühlen und aktiv mitarbeiten.
Und so entstand später auch das Wappen des Vereins in Form eines
Ringes.
Es zeigt in der Mitte Eichenblätter und Eicheln. Sie symbolisieren
die Loruper Eichenbrinke. Eingefasst werden sie von dem Schriftzug „Heimat-Ring
Lorup“. Außen ist ein Ring aus Tannenzweigen zu sehen, darin
ein springendes Eichhörnchen. Der äußere Ring stellt den
Waldgürtel dar, der Lorup jahrhunderte lang umgeben hat und in dem
ein Eichhörnchen das Dorf umrunden konnte, ohne einmal den Waldboden
zu berühren.
Mit der Einrichtung eines Arbeitskreises für die Verschönerung
des Ortsbildes unter Vorsitz von Matthias Möring (Schüppers
Theis) sowie eines Arbeitskreises für kulturelle Belange unter der
Leitung des damaligen Hauptlehrers Scheuer, wurden einige Anregungen von
Kreisgeschäftsführer Engeln noch in der Gründungsversammlung
in die Tat umgesetzt.
Um die Resonanz des neu gegründeten Heimatring in
der Loruper Bevölkerung zu vergrößern, wurde an Herrn
Engeln die Bitte herangetragen, man möge den Kreisheimattag 1955
in Lorup ausrichten. Dieser Bitte wurde dann auch seitens des Kreisheimatvereins
entsprochen und so fand die erste überörtliche Veranstaltung,
für die der Loruper Heimatring als Gastgeber fungierte, bereits im
September des selben Jahres in Lorup statt.
Diese Veranstaltung im Gründungsjahr des neuen Vereins,
hat der Heimatarbeit in unserem Dorf sicherlich viele positive Impulse
gegeben.
Hans Meyer-Wellmann, „ein Lebensbild“
„Mehr Gedanken – als Holz“
Am
24. Januar 1906 wurde Hans Wellmann in Bremerhaven als Sohn eines Werfthandwerkers
geboren.
Mit 10 Jahren kam Hans zum erstenmal auf den Hümmling
nach Stavern als Ferienkind. Solche Stellen wurden bei katholischen Bauernfamilien
vermittelt, um die meist ungenügende Ernährung von Stadtkindern
auszugleichen.
Ob Rektor Remmers, ein geistlicher Neffe von Pfarrer Johann Ehrens, mit
der späteren Vermittlung nach Lorup zu tun hatte, ist nur eine Vermutung.
Hans Wellmann ließ nur selten einen Blick in seine Vergangenheit
zu, und so bleibt auch das von mir erstellte Bild von ihm recht bruchstückhaft,
einem Mosaik nicht unähnlich. Doch immerhin, soviel erfuhr ich:
Nach Beendigung seiner Volksschulzeit – 8 Klassen bis zum Abschluss-
begann Hans Wellmann seine Lehre als Schreiner, „Schreiner“
war damals die Berufsbezeichnung für den heutigen „Tischler“,
m.E. eine schlechte Wortwahl, die er etwa 1922/1923 mit der Gesellenprüfung
abschloss.
Als wir später diese Zeit bei unseren Gesprächen
zufällig streiften, erzählte Hans Wellmann mir etwas über
sein Gesellenstück. Er schilderte es lebhaft als eine quadratisch
gearbeitete „Gesellen – Truhe“ aus Holz, in der für
allerlei Geräte und Notwendigkeiten Platz sei. Schließlich,
als er sich ein wenig in Begeisterung geredet hatte, holte er sein Gesellenstück,
die Truhe, aus seiner Kammer, um sie mir mit leuchtenden Augen ad oculos
zu demonstrieren. „Daet bekiek die man“, oder so ähnlich,
drückte er sich aus.
Was die Truhe für eine Bedeutung hatte und wozu sie
gedacht und geeignet war, das hatte Hans Wellmann für seine Gesellenprüfung
wohl auch schriftlich niedergelegt. Einzelheiten habe ich vergessen. Eines
aber habe ich nicht vergessen: Am Ende der Besprechung und Belobigung
seiner Truhe habe der Obermeister der Prüfungskommission zusammenfassend
gesagt: „Der angehende Geselle des Schreinerhandwerks hat so viele
Ideen in der relativ kleinen Truhe erkennen lassen, dass ich darüber
nur die Überschrift setzen kann
„Mehr Ideen – als Holz“.
Nachdem Hans Wellmann seine Erzählung beendet hatte,
war es eine kurze Zeit still zwischen uns beiden. Dann habe ich ihn fest
angeschaut und gesagt: „Hans daet ist de Owerschrift van dien Läewen,
wenn ik mal eeine söüken mout.“
Weil er damals nicht protestiert hat, setze ich seine Einwilligung voraus,
das so auch zu tun. Der Reichtum an Ideen war in der Tat sehr auffällig
bei ihm. Dazu konnten die Mittel (Holz) einfach nicht ausreichen.
Als ich vor einiger Zeit feststellen konnte, dass die eindrucksvolle Gesellen-Truhe
bei der Hans-Meyer-Wellmann Stiftung respektvoll aufbewahrt wird, hat
mich das sehr gefreut.
Die Spuren, die Hans Meyer Wellmann in Lorup hinterlassen
hat, maße ich mir nicht an alle aufzuzählen. Ich möchte
vielmehr versuchen, 80 Jahre zurückzublenden und dann aus dem, was
meine Erinnerung hergibt, der Reihe nach ein Bild von Hans Wellmann zu
entwerfen.
Vor 80 Jahren war Hans Wellmann 18 Jahre alt und ich, Heinrich
Book (Waetjans Hinnerk) 10 Jahre. Ich ging täglich in die Dorf-Volksschule.
Eines Tages begann Hauptlehrer Sprehe ziemlich begeistert von dem zu erzählen,
was der Loruper Jünglingsverein an Plänen für den Winter
habe (1924). Dabei fiel immer wieder ein für uns ungewöhnlicher
und unbekannter Name, der des Hans Wellmann. Er war nach seiner Gesellenprüfung
zur Weiterbildung auf eine Technikerschule nach Beckum in Westfalen gegangen
und konnte danach in der damaligen Zeit der Arbeitslosigkeit als Werkmeister
und Techniker bei der Maschinenfabrik Perk in Lorup anfangen (mündliche
Mitteilung).
Hans Wellmann traf in Lorup auf vielfache gute Voraussetzungen, die sich
auf berufliche, religiöse, sportliche und politische Tätigkeiten
und Interessen erstreckten. Besonderes Interesse fanden sowohl bei den
bäuerlichen als auch handwerklichen Jugend Literatur und Theater.
Sie waren bei Jungen wie bei Mädchen anzutreffen und wurden gefördert
von einer vorbildlich engagierten und berufsübergreifenden Lehrerschaft
unter Ansporn von Hauptlehrer August Sprehe. Seine vielfachen Anregungen
trugen reiche Früchte.
Schon in dieser Zeit waren jeden Winter größere
Theaterstück aufgeführt und geistige Themen abgehandelt worden.
U.a. waren das „Wilhelm Tell“, „Der Freischütz“,
„Die Jungfrau von Orleans“ und viele besonders patriotische
Stücke, bes. „Dreizehn Linden“.
Johann Siemer (Siemer Jan), der spätere Pater Siemer,
und Gesina Richter (Hünteljans Sina) hatten wohl auch schon eigene
Dichtungen und Theaterstücke auf den Weg gebracht. Erzählungen
meines Vaters Theodor Book (Waettjans – Dirk), geb. 1878!, von seinen
Rollen beim Theaterspielen im Jünglingsverein deuten auf sehr frühen
Beginn.
Hans Wellmann setzte fort, was schon vorhanden war. Zu
nennen sind der Kinderfestzug beim Loruper Schützenfest und die Jugendarbeit.
Diese Dinge sind aber m.E. zur genüge bekannt.
Hier soll ein anderes Bild gezeigt werden unter der Überschrift:
Wie wurde Hans Wellmann sesshaft in Lorup für ein ganzes Leben? Wie
wurde er der „Hans im Glück“, für den man ihn eine
Zeit lang halten konnte?
Dazu muss eine hübsche junge Bauerntochter, Anny Meyer, vom Roulwes
Hof jetzt hier erscheinen. Als einziges Kind war sie die Erbin eines großen
Hofes, der damals vor den Enteignungen fast 1000 Morgen umfasste (meine
Schätzung). Heute kaum noch vorstellbar, war diese Tatsache allein
schon ausreichend, ein solches junges Mädchen begehrenswert zu machen.
Bei Anny kamen auch noch eine gute Bildung hinzu sowie gutes Aussehen,
ja sogar eine gewisse Apartheid. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen:
Einige Jahre blieb die Frage, wem die „Prinzentochter“
ihre Zuneigung schenken würde, unbeantwortet. Dann eines Tages aber
platzte die Spannung mit der für alle unerwarteten Nachricht: „Roulwes
Anny und Hans Wellmann verlobet sück“.
Hans Wellmann als Grußbauer, daran hatte niemand gedacht, das hatte
keiner für möglich gehalten, lange Zeit wohl auch er selbst
nicht. Die öffentliche Meinung in dieser Angelegenheit war sehr unterschiedlich.
„Buer waett häi sein läawe nich“, war allenthalben
zu hören.
Aber wie im Märchen ging vorerst formal alles seinen
Weg. Hans Wellmann nannte sich von nun an Meyer-Wellmann und wurde Bauer
auf dem uralten Meyer-Hof.
Alter und Historie des Hofes waren bei ihm von Anfang an in guten Händen
und seinem Herzen nahe. Mit hochfliegenden Plänen war das junge Paar
vor den Traualtar getreten, doch leider war das junge Glück auch
bald etwas getrübt.
Da blieb zunächst die Erwartung auf ein Kind unerfüllt, und
nur wenige Jahre nach der Hochzeit wurde Anny von einer schweren Krankheit
befallen, die nach langem Siechtum schließlich zum Tode führte.
Das schwere Schicksal hat Hans Wellmann gezeichnet. Immer
mehr und immer tiefer vergrub er sich in seine Bücher. Ja, in dieser
Zeit wurde neben vielem anderen wohl auch der Plan geboren, alle Loruper,
besonders auch die Butendärper zusammenzuschmieden in einem Verein,
dem Heimatring. Die „Tunscheere“ sollte das verbindende Band
werden für die Loruper daheim und in aller Welt. Heimatring nannte
er das.
Dieses Werk –seine Tunscheere- für alle Loruper
bis heute sein geistig dauerhafteste Anliegen und wird in seinem Geiste
weitergeführt.
Die Stiftung Hans Meyer-Wellmann sei abschließend
als finanzielle Unterstützung seines Heimatanliegens hervorgehoben.
So rundete sich sein Lebenswerk.
Als Frage bleibt: Woher bezog der vom Glück begünstigte, der
ideenreiche und produktive Hans Wellmann und woher der von schwerem Leid
geprüfte und gezeichnete Hans Wellmann die Kraft und den Antrieb
zu seinen Werken und zu seinem Überleben?
Soweit von außen erkennbar, war es seine tiefe, umfassende
religiöse Überzeugung, die wesentlich dazu beitrug. Briefe,
die ich in eigener schwerer Zeit von ihm erhielt, bestätigen das,
auch seine Lebensführung inmitten der St. Maria-Himmelfahrt-Pfarrei
macht das sichtbar.
Lorup, „seine“ Gemeinde, hat seine Leistungen anerkannt und
ihm gedankt durch die Verleihung der Ehrenbürgerwürde, und posthum
trägt eine Straße seinen Namen.
Seine Einstellung und Haltung macht auch folgendes deutlich: Wenn ich
Hans Wellmann einen längeren Besuch abgestattet hatte und wir uns
mit Themen über Geschichte, Sprache und Brauchtum der Heimat unterhalten
hatten, pflegte er mich zu verabschieden mit den Worten: „Daet was
för mie vandaage wäär ne „Taborstunde“. Solche
Bilder aus der Bibel liebte er.
Franz Grote
Kreisheimattage
in Lorup
Am 15. September 1955 und am 14. Oktober 1965
Für den Heimatring Lorup war es eine Herausforderung,
schon im Gründungsjahr den Kreisheimattag am 15. September 1955 zu
organisieren und zu gestalten. Aber der noch junge Heimatverein, unter
der Leitung seines rührigen Vorsitzenden Hans Meyer-Wellmann, hat
diese Aufgabe gut gemeistert, so dass allgemein von einem sehr gelungenen
Heimatfest die Rede war.
Eingeleitet wurde der Kreisheimattag am Vormittag mit Dienstversammlungen
der Bürgermeister und der Lehrer.
Die Hauptveranstaltung am Nachmittag im festlich geschmückten, überfüllten
Saal Jansen (Sandmann) wurde eröffnet vom Vorsitzenden des Kreisheimatvereins
August Löning, Lathen, MdL. Mit wenigen Worten umriß August
Löning Sinn und Zweck der Heimatvereine. Ihre Hauptaufgabe sei nicht
etwa die Durchfühung von Ausgrabungen und anderer geschichtlicher
Forschungen. Es komme vielmehr in erster Linie darauf an, dass die Jugend
die Verbindung mit dem Althergebrachten nicht verliere. Die Gefahr dazu
sei in unserer schnellebigen, weithin verflachten und vom Materialismus
beherrschten Zeit sehr groß.
„Wer auf den Spuren der Vergangenheit wandelt, dem
zeigt die Heimat ihre ganze Schönheit“, mit diesen einleitenden
Worten führte dann Bäckermeister Bernhard Siemer durch das weitere
Programm.
Der Heimatring Lorup wolle mit den nun folgenden Darbietungen einen Blick
in die tausendjährige Geschichte des Ortes geben, sagte er.
In
dem rund zweistündigen Programm wurde dann in Liedern, Gedichten,
Spielen und anderen Vorträgen die Geschichte Lorups lebendig, wobei
Ernstes und Heiteres gut gemischt waren. Es wurde auch das bekannte plattdeutsche
Singspiel über die geschichtliche Entwicklung Lorups, die „Revue
der Jahrhunderte“ von Pater Johannes Siemer (Siemer-Jann) wieder
aufgeführt. Die von Frau Gesine Richter-Hünteljans in Plattdeutsch
verfassten Lieder und Sketche: „In Loorpe ist daet Heimatfest; Dirk
nu schell wort ut; Wenn de eersten Väögel flaitet; Twäi
Wiewer bie de Pütte; Däi Unkels up de Stää; De Hachtietsnööger
un De Dräiöllgersmann“ kamen an diesem Tage zur Erstaufführung.
Einige der Lieder sind dann ja zu richtigen „Loorper-Evergreens“
geworden.
Und das Schönste an diesem Programm war, dass es von
A bis Z von Loruper Bürgern gestaltet wurde und daß alles was
geboten wurde, von Lorupern erdacht, verfasst und gedichtet worden war.
Pater
Johannes Siemer und Frau Gesine Richter-Hünteljans erhielten für
ihre besonderen Beiträge zum Heimattag vom Kreisvorsitzenden Löning
Ehrengaben überreicht.
Zum Schluß sei noch erwähnt, dass sogar der NWDR erschienen
war, um Aufnahmen zu machen.
Zehn Jahre später, am 14. Oktober 1965, fand dann
wieder ein Kreisheimattag in Lorup statt. Dieser stand im Zeichen des
Plattdeutschen unter dem Motto: „Holl faest aen Mouders Spraake
– daet is dien Ehrensaake.“
Die Veranstaltungen zum Kreisheimattag begannen mit einer Vorstandssitzung
und der Generalversammlung des Kreisheimatvereins um 11 Uhr im Hotel Jos.
Olliges, Lorup.
Um 13 Uhr und abends um 19 Uhr wurde den zahlreichen Gästen im Hotel
Olliges und in den Gaststätten Gerh. Stindt und Johs. Wilkens Buchweizenpfannkuchen,
das alte Hümmlinger Nationalgericht, angeboten.
In der Pfarrkirche „St. Mariae Himmelfahrt“
versammelten sich dann um 15 Uhr die Heimatfreunde zu einem Gottesdienst,
bei dem Plattdeutsch gesungen und gepredigt wurde. Begeistert wurden die
bekannten Kirchenmelodien in Plattdeutsch gesungen. Pastor Wilhelm Kreuzhermes
aus Sondermühlen, ein gebürtiger Loruper, predigte auf Loorper
Plaett. In einfachen, aber doch eindringlichen Worten sprach der Geistliche
zu seinen Landsleuten. Die Winzigkeit der Erde stellte der Prediger in
Relation zum gewaltigen Kosmos. Trotz des unscheinbaren Erdenlebens sei
die Heimat ein Geschenk, für das man Gott dankbar sein müsse.
Nach dem Gottesdienst ging es auf den Flasskamp, wo ein Zelt für
die Festveranstaltung aufgebaut war.
Die Eröffnung und Begrüßung nahm dort, in Vertretung des
erkrankten
Kreisheimatvorsitzenden August Löning, Lathen, Oberstudiendirektor
Dr. Knoke aus Papenburg vor. Auch vor zehn Jahren habe man in Lorup Kreisheimatfest
gefeiert. Von Lorup aus habe die Heimatarbeit immer wieder neue Impulse
erhalten, was auch den Ausschlag dafür gegeben habe, das Kreisheimatfest
1965 wieder in Lorup zu feiern. Die Heimat könne nur dort erhalten
bleiben, wo der Väter Glaube und der Mutter Sprache in Ehren gehalten
würden, betonte Dr. Knoke. Es sei gut, daß man den Heimattag
mit einem plattdeutschen Gottesdienst eingeleitet habe. Im weiteren Verlauf
werde dann die Heimatsprache in Wort und Bild zur Geltung kommen.
Unter dem Motto „Unserer Heimat Sprache und Bild“
führten die Loruper ihre Heimatfreunde durch die Städte und
Dörfer unseres Kreises und in Zusammenarbeit mit der Schule auch
durch angrenzende Gebiete. Den Reiseleiter und Conferencier machte bei
dieser Rundfahrt Rudolf Schwarte, von Beruf Angestellter der Kreissparkasse.
Während Schwarte die einzelnen Orte ankündigte, hefteten Jungens
Abbildungen bekannter Bauwerke dieser Orte an eine große Wandkarte,
so dasß sie jeder sehen konnte.
Die Fahrt begann bei der Kreiskriegergedächtniskirche
in Rhede. Von Rhede ging es über viele emsländische Orte des
Kreises zum Hümmling. Hier wurden Lathen, Sögel, die Hüvener
Mühle, Clemenswerth, Werlte, Börger, Esterwegen und natürlich
Lorup, das Reiseziel, besucht. Zwischendurch wurden dann Gedichte und
Vertellßels vorgetragen. So wurde während der Fahrt von Lathen
nach Börger das Gedicht „Als Vater noch lebte“ von August
Löning vorgetragen, bei der Hüvener Mühle unterhielten
sich Jann un Hinnerk über Clemenswerth und Maräihaemmelfaart
und in Werlte stand eine Szene aus „Olde Meiners“ von Albert
Trautmann auf dem Programm. Für Lorup hatte Hans Meyer-Wellmann das
kurz zuvor von Dr. Heinrich Book (Waettjans Hinnerk) verfasste Gedicht
„Touväörn“ vorgesehen, das hier vorgetragen wurde.
Johann Schwarte (Swartenwillsien Jann) erzählte dann noch über
die Zeit von vor 50 oder 60 Jahren.
Anschließend luden die Loruper Schulkinder mit dem
Lied „Kein schöner Land“ zur Reise in die Nachbarschaft
ein. Das ostfriesische Dönken „Slag aen´t Mul“
erntete viel Beifall. An der Karte erschienen das Wappen des Kreises Leer,
das Oldenburger Wappen und das Cloppenburger Wappen. Die beiden Gedichte
„Mien Mouderspraake“ von Berhard Uphus und „Loop dör
de Welt“ von Maria Mönch-Tegeder führten in die südliche
Nachbarschaft. Die Niederlande waren mit dem Gedicht „Groninger
Land“ und einem Volkstanz vertreten. Die Rundfahrt endete in dem
Kreis Heilsberg im Ermland, dem Patenkreis des Landkreises Aschendorf-Hümmling.
Am Samstag, 16. Oktober, fand in Lorup der Heimattag
der Kinder aus den Gemeinden Lorup, Breddenberg, Heidbrücken, Esterwegen,
Hilkenbrook und Rastdorf statt. Um 16 Uhr spielte „De Ollenborger
Kring Poppenspillbühne“ das Puppenspiel: „De Maonlantüchte“
oder „Daet Lecht van de Maone“. Nach dem Puppenspiel, zu Beginn
der Dämmerung, zogen dann alle Kinder in einem gemeinsamen Laternenzug
zum Krankenhaus.
Gerhard Immken
Sprechende Dorfchronik!
„ Eine sprechende Chronik entsteht.“ So stand
es am 20.02.1958 in der Ems-Zeitung.
Worte unserer plattdeutschen Sprache lassen sich schriftlich nicht so
wiedergeben, wie sie unser Ohr erfreuen. Um diese Worte der Nachwelt zu
erhalten und auch den auswärts, besonders im Ausland wohnenden Lorupern
zu vermitteln, hat sich der Heimatring schon besonders früh entschlossen,
ein Tonbandgerät zu erwerben. Ein Heimatfreund hatte einen erheblichen
Beitrag für diese Anschaffung gespendet. Zunächst wurde das
gesamte Programm des Loruper Kreis- Heimattages 1955 aufgenommen. Auf
einer Tagung des Deutschen Spracharchivs in Münster, an der Vertreter
aus 21 Ländern teilnahmen, wurde man aufmerksam auf die sprechende
Dorfchronik in Lorup. Am 5. März 1959 wurde daher ein Tonaufnahmewagen
des Deutschen Spracharchivs der Universität Münster zu weiteren
Tonaufnahmen nach Lorup geschickt. Für diese Tonaufnahmen unterhielten
sich drei Loruper und drei Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in
ihrem Heimatdialekt. Es sollte festgestellt werden, inwieweit die jeweilige
Mundart noch erhalten ist, bzw. sich der heutigen Mundart angepasst hat.
Kopien dieser Aufnahmen wurden von Universitäten aus den USA und
England angefordert. Am 29. November 1959 wurde vom Heimatring zu einem
großen Hörspielabend unter dem Titel “ De Blick dör
de Klanggate“ eingeladen. Der Ehrenvorsitzende Theodor Rohjans eröffnete
die Feierstunde und begrüßte die Mitglieder und Gäste.
Zur Vorführung kam das erste Band der Tonaufnahmen der sprechenden
Dorfchronik. Diese wurden eingeleitet mit dem Geläut der Kirchenglocken
und einem Orgelspiel vom Organisten Rudolf Wilken. In bunter Reihenfolge
schlossen sich dann Begebenheiten aus der jüngsten Vergangenheit
und aus früheren Jahrhunderten an, die von Loruper Bürgern auf
Tonband erzählt wurden.
„Well daschket mit?“ Unter dieser Überschrift wandte
sich der Heimatring in der Emszeitung an Idealisten und Interessenten,
die noch mit dem Flegeldreschen vertraut waren. Ebenfalls sollte jeder
nachsehen, „wo noch Flegel aufzutreiben sind“. Der Klang des
Flegeldreschens wurde daraufhin für spätere Generationen festgehalten.
Zu einer bereits gemachten Tonbandaufnahme, eines Gespräches über
Schmiedearbeiten um die Jahrhundertwende, sollte ebenfalls noch das Dreiklang-
Hammerschlagen am Amboss aufgenommen werden. Der Heimatring hat sich damals
viel Mühe gegeben, das Geschehen aus der alten Zeit für die
späteren Generationen zu erhalten. Im Archiv des Heimatrings befinden
sich noch sehr viele Tonbänder. Es ist an nun an der Zeit, diese
alten Tonbandaufnahmen zu überarbeiten und dessen Inhalt der Öffentlichkeit
auf Heimatabenden vorzuspielen.
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